+
Wir trauern um  

Iris Müller
11.09.1930  -  30.01.2011

Nachruf (dt)     Obituary (en)     Seitenanfang

Iris Müller




Bild     Nachruf (dt)     Obituary (en)     Seitenanfang


Nachruf

Sie war eine Vorkämpferin für die Frauen, die zum priesterlichen Dienst berufen sind. Am 29. Juni 2002 wurde sie als eine der “Danube Seven” selbst zur Priesterin geweiht. Mit Dr. Ida Raming leistete sie wissenschaftliche Grundlagenarbeit, die ihr priesterliches Leben ausfüllte.


Sie hat nun ihren „guten Kampf gekämpft, ihren Lauf in dieser Welt vollendet...“ 

(vgl. 2 Tim 4,7f).

Sie hatte schon früh hochherzige Ideale, die sie mit großem Einsatz zu erfüllen suchte.

So war ihr Leben geprägt von Kampf und Anstrengungen, auch von einigen erreichten  Zielen – freilich nicht unbelastet von Demütigungen und Krankheiten.

Iris Müller entschied sich nach ihrem Schulabschluss aus einer religiösen Berufung für ein Theologiestudium mit dem Berufsziel: Pastorin. Sie studierte zunächst an dem Katechetischen Oberseminar in Naumburg/Saale. Es war ein Studienzentrum für diejenigen, die sich dem unterdrückerischen Regime in der damaligen DDR nicht anpassten, sondern Widerstand dagegen leisteten. Schon als Schülerin wagte Iris Müller in diesem Staat das „freie Wort“ gegen politische Repression und Unterdrückung.

In Halle/Saale schloss sie ihr evangelisches Theologiestudium mit einem Diplom ab (1958).

Nach Abschluss dieses Studiums konvertierte sie zur katholischen Kirche. Sie suchte dort u.a. einen tieferen religiösen, spirituellen Weg.

Aber ihr Schritt hatte für sie schwer wiegende existentielle Folgen: Der Zugang zum Priesteramt war ihr als Frau verwehrt. Sie bekannte – schon vor ihrer Konversion – offen, dass sie mit dieser Regelung nicht einverstanden war, hoffte aber darauf, die verantwortlichen Amtsträger in der kath. Kirche mit guten Argumenten davon überzeugen zu können, dass der Ausschluss der Frau von geistlichen Ämtern auf unhaltbaren theologischen Gründen basierte.

Das war – aus heutiger Sicht – freilich ein großer Irrtum!

Aber Iris Müller ging konsequent auf dem eingeschlagenen Weg voran.

 Sie musste aus existentiellen Gründen aus der DDR fliehen, – für kath. Theologinnen gab es dort keine beruflichen Möglichkeiten – das war 1959, zwei Jahre vor dem Mauerbau in Berlin.

Nach einer risikoreichen Flucht  in  Westdeutschland  angekommen, konnte sie schließlich nach mehreren Umwegen und  Schwierigkeiten, die sich ihr als Flüchtling entgegenstellten, das  Theologiestudium in Münster fortsetzen. Sie schloss es mit der Promotion ab.


Während ihres Theologiestudiums trat sie als erste Frau in der kath.- theol. Fakultät der Universität Münster freimütig für den Zugang von Frauen zum Priesteramt ein, obwohl sie damals in keiner Weise existentiell „abgesichert“ war.

Die Folgen dieses mutigen Vorgehens blieben nicht aus: das kleine Stipendium, auf das sie als Flüchtling dringend angewiesen war, sollte ihr entzogen werden; sie hatte keine Aussicht auf eine berufliche Anstellung  im kirchlichen Bereich.

Aber auf der anderen Seite konnte sie durch ihr mutiges Wort andere katholische Frauen, die aufgrund ihrer Erziehung angepasst und eingeschüchtert waren, „aufwecken“ und erfüllte damit eine wirklich prophetische Aufgabe.

 Auch nach ihrem Examen setzte sie ihren Kampf für die Befreiung der katholischen Frauen aus diskriminierenden Fesseln fort -  durch Veröffentlichungen, Vorträge und Korrespondenz; ferner durch den Aufbau einer Bibliothek „Frau in den Religionen (vorwiegend:  Judentum, Christentum, Islam)“ in der theologischen Fakultät der Universität Münster. Die Überwindung der Frauendiskriminierung nicht nur im Christentum, sondern auch in anderen Religionen war für Iris Müller stets ein wichtiges Anliegen.

Als das Nein von Seiten des Vatikans zur Frauenordination immer massiver und anhaltender wurde und sich keine Hoffnung auf eine „systemimmanente“ Lösung des Problems abzeichnete, entschied sich Iris Müller – zusammen mit 6 anderen Frauen – zu einem öffentlichem Handeln gegen das bestehende Gesetz des Ausschlusses der Frauen von der Ordination (CIC can. 1024):

Sie wurde am 29. Juni 2002 zur Priesterin ordiniert.

 

So hat sie ihr Berufsziel erreicht – wenn auch noch nicht von der „Amtskirche“ anerkannt , – aber als eine Frau, die einen befreienden Weg für ihre Schwestern eröffnet hat.

 

So hat Iris Müller ihren guten Kampf gekämpft –  damit sich auch katholische Frauen ihrer „Freiheit als Töchter Gottes“ in Zukunft einmal erfreuen können.

 

Meditation und Religiosität waren für Iris Müller eine wirkliche Lebenshilfe, aus denen sie die Kraft für die Bewältigung ihrer Lebensprobleme und  Belastungen schöpfte.

Ihr Konfirmationsspruch lautete:

„Wenn Gott an eines Menschen Wegen Gefallen hat, bringt Gott auch seine Feinde zum Frieden mit ihm.“ (Prov.16,7).

Sie hat viel über dieses Bibelwort nachgedacht – es war rätselhaft/tiefsinnig  wie auch erschreckend für sie, nicht zuletzt, weil darin von „Feinden“ die Rede ist.

 

In ihrem Gebetbuch finden sich folgende von ihr persönlich geschriebene Zeilen:

 

„So geschieht im Tod das Wunder der Verwandlung. Über ihm liegt das unbesiegbare Versprechen  der Erlösung und Auferstehung. Denn es bedeutet, dass ich alles, was mir gehört, Gott übergebe – und Gott gibt es mir verwandelt zurück. Leben besiegt den Tod.“

 

Dies ist auch unser Glaube und unsere Hoffnung für die Verstorbene!

Ein edler, großmütiger  Mensch ist von uns gegangen und in den Frieden Gottes heimgerufen worden.

 

Behalten wir Iris Müller in treuem Gedächtnis!

  

Ida Raming, im Winter  2011





Bild     Nachruf (dt)     Obituary (en)     Seitenanfang


Obituary

We are mourning for  
Iris Müller  (11.09.1930  -  30.01.2011)


„God chose those who by human standards count for nothing, to reduce to nothing all those that do count for something, so that no human being may be boastful before God” (1 Cor. 1, 28).
 
Iris Müller has now “fought the good fight to the end, run the race to the finish …” (cf. 2 Tim 4,7)
 
She had great ideals from an early age, which she strove to fulfil with great commitment. All her life, Iris knew struggle and effort in achieving the goals she set herself and often had to contend with setbacks, humiliation and illness.
 
When she left school, Iris decided to study theology with the aim of becoming a Protestant minister.  She began her religious studies at the Catechetical Institute in Naumburg/Saule.  This was a Centre of Studies for those who were in opposition to the oppressive communist regime in the German Democratic Republic (Eastern Germany).  Even as a student at school, Iris Müller dared to speak out against injustice and oppression. 
She completed a degree in theology in Halle/Saale in 1958.
 
Iris then converted to Catholicism. Her reasons included the search for a deeper, more spiritual path.  But this step had serious consequences for her:  there was, of course, no possibility of being ordained as a woman in the Catholic church. Even before her conversion she said clearly that she did not agree with this rule but she nevertheless hoped that it would be possible to convince those in authority in the R.C. church that the exclusion of women from Orders was based on unacceptable and unjust theological arguments.  This hope was, as we know with hindsight, very much in vain. Nevertheless, Iris continued to follow her calling with great determination.  
 
On existential grounds, Iris was then forced to flee from the GDR because there was no possibility of any kind of  job for a dissident Catholic theologian in that part of Germany at the time.  The year was 1959, two years before the Berlin Wall was built.  Having got to West-Germany - after a risky and troublesome flight, Iris was eventually able, despite the many difficulties and setbacks, she encountered as refugee, to continue her studies as a doctoral student in the theology department at the University of Münster.  She completed her doctorate there. 
 
During her doctoral studies at the university, Iris was the first woman to speak out openly in favour of women’s ordination in the R.C. church, despite the fact that she had no existential security whatever at the time.  The consequences of her courageous stance on this issue were serious: she was threatened that even the small stipend she received and so desperately needed because she was a refugee would be withdrawn and there was, of course, no possibility of any official appointment within the official church.   On the other hand, she was able to influence other Catholic women who, because of their upbringing, were conformed in their thinking and also timid. Through Iris’ guidance, some of them ‘woke up’ to the reality of discrimination against women in the R.C. church and in this way, Iris Müller fulfilled a real prophetic role.
 
After her doctoral examination she continued the struggle for the freedom of Catholic women from unjust discrimination by means of publications, talks and correspondence and above all by building up a library on the theme of “Women in Religion, especially Judaism, Christianity and Islam” in the theological faculty of the University of Münster.  The overcoming of discrimination against women in all the major religions was always close to Iris’ heart.
 
As the years went by and the Vatican “NO” to women’s ordination became ever stronger and louder, and as it became clear that there was no hope of achieving any change within the ecclesial system itself, Iris Müller, together with six other women, decided to take public action against the official law of the church, which excludes women from ordination (CIC can. 1024).  
On June 29th 2002, Iris Müller was ordained a Catholic priest.
 
Thus she had finally achieved her goal  - though not recognized and acknowledged by the official church,  but as a woman who opened up for her sisters a way of liberation.
 
In this way, Iris Müller “fought the good fight”, so that Catholic women would, in the future, be able to rejoice in their freedom as ‘daughters of God’.
 
Meditation and spirituality were very necessary to Iris.  It was from these that she drew the strength to overcome the challenges and difficulties that she faced in her life.  Her confirmation bible text was: 
When Yahweh is pleased with someone’s way of life,
He makes that person’s very enemies into friends”.   (Prov. 16,7)
She often reflected on this text:  it was both mysterious and deep for her and at the same time frightening, because there is the mention of ‘enemies’.
 
In Iris’ prayer journal, I found the following words which she herself wrote:
So in death, what happens is the miracle of transformation.  Over death, there lies the invincible promise of salvation and resurrection.  This means that I surrender to God everything that I am and have  -  and God gives it back to me, transformed.
Life triumphs over death.
 
This is also our faith and our hope for the deceased.
A truly noble, generous person has gone before us, having been called into the peace of God.
 
Let us keep Iris Müller in faithful remembrance!
  
Ida Raming, Winter 2011
English translation: Dr. Patricia Fresen